LANDLER/IN DES MONATS
Maria Lehner-Dittenberger
In der Unterrichtsklasse von Maria Lehner-Dittenberger in der TNMS Grieskirchen kommt man sich vor wie beim Turmbau zu Babel: Fast keiner versteht die Sprache des anderen. Die aktuell zwölf Burschen und zwei Mädchen sind zwischen 10 und 15 Jahre und kommen aus Afghanistan, Tschetschenien, Kirgistan, dem Irak und dem Kosovo. Mit der deutschen Sprache hatten sie bisher keinerlei Kontakt, auch nicht mit Englisch.
Wie bringt man Deutsch in dieses Sprachengewirr? „Ich arbeite sehr viel mit Bildern zu Themenkreisen wie beispielsweise Schulsachen, Kleidung, Essen oder Getränke,” erzählt die 47-Jährige. Zu den Bildern erhalten die Schüler Arbeitsblätter, auf denen sie die Bezeichnungen für die abgebildeten Dinge in ihrer Muttersprache und in Deutsch notieren. Das so Gelernte wird ständig wiederholt, „und die Kinder dolmetschen auch untereinander. Dazu versuche ich aber auch Lehrstoff durchzubringen,” versprüht die Deutschlehrerin Ehrgeiz. Und der trägt Früchte: „Ich merke bei allen Kindern schöne Fortschritte, und es wäre ein Wahnsinn, wenn sie hier nicht zur Schule gehen könnten,” so die dreifache Mutter, die mit den Flüchtlingskindern elf Stunden pro Woche Deutsch paukt. Doch nicht nur das: „Ich verstehe den Unterricht auch als Friedens- und Gemeinschaftserziehung, denn innerhalb der Gruppe kommt’s natürlich auch zu Konflikten.” In den anderen Unterrichtsgegenständen sind die Flüchtlingskinder auf die verschiedenen Klasssen aufgeteilt, und das funktioniert ebenfalls gut. „Die Schüler kommen sehr gut miteinander aus,” sagt TNMS 1-Direktor August Neubacher.
Maria Lehner-Dittenberger ist übrigens erst seit 2013 Lehrerin. Sie machte ihre pädagogische Ausbildung berufsbegleitend als Buchhalterin, und sie geht diesem Beruf auch jetzt noch halbtags in Eferding nach. In den vergangenen zwei Jahren unterrichtete die Waizenkirchnerin im Poly Grieskirchen wirtschaftliche Fächer, heuer lehrt sie erstmals Deutsch als Zusatzsprache. Eine Herkulesaufgabe, die sie bestens stemmt. Ein „Sehr gut” für die Frau Lehrerin!

