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Asiatischer Artgenosse besetzt seinen Platz
Marienkäfer vor der Ausrottung
Sind sie Ihnen auch aufgefallen? Eigentlich haben sie in unseren Breiten gar nichts verloren, doch der warme Herbst hat sie in Massen sichtbar gemacht: die asiatischen Marienkäfer. Sie wurden als Schädlingsbekämpfer nach Europa geholt und rotten nun die heimischen Marienkäfer aus.
Insektenforscher Dr. Martin Schwarz (51) vom Linzer Biologiezentrum
Eingeschleppte Pflanzen und Tiere sind eine Gefahr für unsere Artenvielfalt und können großen wirtschaftlichen Schaden anrichten. Einer dieser von Biologen als Neobiota oder Aliens bezeichneten Eindringlinge wurde freiwillig nach Europa geholt und wird nun zur Plage: der Asiatische Marienkäfer.
Die asiatischen Marienkäfer vertilgen Unmengen an Blattläusen. Daher wurden sie in den 1990er-Jahren in den Benelux-Ländern zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Der „Biowaffe” gelang allerdings rasch die Flucht in die Freiheit. 2001 tauchten die Tiere erstmals in freier Wildbahn auf, in den vergangenen Jahren auch in Oberösterreich.
Heuer traten die gepunkteten Aliens begünstigt durch das warme Wetter besonders massiv auf. Im Herbst bevorzugen sie sonnenbeschienene Wände, Stämme oder Felsen. Und sie sind sehr dominant. „Sie fressen die Larven anderer Marienkäfer und haben fast keine natürlichen Feinde, weil sie den Vögeln nicht schmecken,” erklärt Dr. Martin Schwarz vom Biologiezentrum in Linz. „Außerdem sind die asiatischen Marienkäfer gegen Parasiten in ihrem Körper resistent, die wiederum für die heimischen Arten tödlich sind,” so der Insektenforscher.
Insgesamt gibt es in Mitteleuropa 80 Marienkäferarten. Am bekanntesten ist der als Glücksbringer beliebte 7-Punkt-Käfer, der sich gegen die asiatischen „Kollegen” einigermaßen behaupten kann. Im Gegensatz zum kleineren 2-Punkt-Käfer. Schwarz: „So einen habe ich schon seit Jahren nicht mehr gefunden.”
Die asiatischen Eindringlinge überwintern in Fensterrahmen, hinter Fassaden oder unter Dachvorsprüngen, um im Frühjahr wieder auf Läusejagd zu gehen.
Im Biologiezentrum registrierte man in den vergangenen Woche auch viele Anrufe von besorgten Landsleuten, die daheim bis zu zwei Zentimeter große Wanzen fanden. Schwarz: „Diese Amerikanische Zapfenwanze wurde mit Holztransporten aus Nordamerika eingeschleppt. Sie saugt Pflanzensaft aus Nadelhölzern, ist für den Menschen aber ungefährlich.”
Eine große Gefahr ist hingegen der mit Holzpaletten aus China eingeschleppte Asiatische Laubholzbockkäfer, der erstmals in Oberösterreich 2001 in Braunau aufgetaucht ist. 2012 wütete der Import-Schädling in St. Georgen bei Obernberg, und ein Jahr später wurde man in Gallspach auf den Eindringling aufmerksam. Von Gallspach breitete sich der asiatische Laubholzbockkäfer auch auf Baumbestände in Nachbargemeinden wie Grieskirchen, St. Georgen, Schlüßlberg und Kematen am Innbach aus. Um ihm die Lebensgrundlage zu entziehen, mussten damals, wie berichtet, in Gallspach unter anderem auch alle Straßen- und Bachböschungen, die großteils aus Laubhölzern bestanden, gerodet werden.
Die Bekämpfung des asiatischen Laubholzbockkäfers hat landesweit bisher schon etwa eine Million Euro gekostet. Nach EU-Vorgaben gilt dieser importierte Schädling erst nach vierjähriger völliger Befallsfreiheit als ausgerottet. In Braunau war das erst nach zwölf Jahren der Fall. Kurz darauf fand man ihn in Gallspach.

