REPORTAGE
Gewürzbauer in Lambrechten macht Furore
„Siaß” oder „schoaf”: Erster Senf aus OÖ!
Neuer Qualitätssprung im Genussland: Erstmals gibt es auch Senf aus Oberösterreich. Hausgemacht nach einem uralten Rezept aus Senfkörnern von einem Bauernhof in Lambrechten bei Andorf. Das nächste Regionalprodukt sind fix und fertige Paniermischungen.
IRMGARD UND FRANZ SCHNEIDERBAUER in ihrem Element. Mittlerweile liefern 21 heimische Bauern für sie Gewürze. Die Blattkräuter wie Petersilie, Majoran, Basilikum… kommen aus dem Mostviertel. Gereinigt werden die Rohstoffe von einer Firma in Diersbach, die Veredelung erfolgt am Schneiderbauer-Hof. Die neuen Paniermischungen sind eine Koproduktion mit der Bergwirtin Erni Haas in Schärding und dem Keimlingsbäcker Karl Mayer in Schardenberg. Infos: www.schneiderbauer-gewuerze.at
Aus der Not heraus haben sich die Nebenerwerbsbauern Irmgard (53) und Franz Schneiderbauer (55) vor sechs Jahren ganz der alternativen Landwirtschaft verschrieben. „Wir sind vor der Frage gestanden, den Hof aufzugeben oder etwas völlig Neues zu machen,” erzählt die gelernte Bürokauffrau und jetzige Landwirtin Irmgard Schneiderbauer.
Das Paar entschied sich für einen Neuanfang. Das Milchvieh wurde abgegeben, dafür setzte man auf seinen 13 Hektar ganz auf Gewürze. Angefangen hat es mit Kümmel, dann kamen Leinsamen, Blaumohn, Fenchel und Koriander dazu. Irmgard Schneiderbauer: „Das Wissen darüber haben wir uns angelesen oder in Vorträgen erworben.”
Die Nachfrage nach den regionalen Gewürzen entwickelte sich so stark, dass mittlerweile 21 Vertragsbauern in ganz Oberösterreich für die Schneiderbauers Gewürze anbauen. Insgesamt verarbeitet die Familie Schneiderbauer mit Sohn Stefan (30) und zwei Bediensteten im Jahr etwa 120 Tonnen Kräuter. „Wir haben 70 Produkte auf Gewürzbasis im Sortiment, darunter mehr als 20 verschiedene Gewürzmischungen, an denen wir oft bis zu einem Jahr lang getüftelt haben, bis sie perfekt waren,” sagt die Bäuerin. Nicht nur Endverbraucher, sondern auch Großabnehmer wie Bäckereien reißen sich um die feinen Kräuter.
Nun gibt es aus Senfkörnern vom Schneiderbauer-Hof Oberösterreichs ersten hausgemachten Senf. Erzeugt wird er von Schneiderbauers Nichte Andrea Hauer (32), Landwirtin in Eggerding, nach dem Rezept aus einem Uralt-Kochbuch in Kurrentschrift, „die mir meine Mutter übersetzt hat,” so Irmgard.Zur Auswahl stehen „a Siaßa” und „a Schoafa”. „Erste Kundenreaktionen auf der Welser Messe waren sehr gut,” freut sich die Senfbäuerin.
Die nächste Schneiderbauer-Neuheit gibt es schon im Hofladen und kommt demnächst in die Supermärkte: Fertige Paniermischungen nach Wiener Art, mit Cornflakes oder Bio-Keimlingen.
