Kaninchenstaupe
TIERE
KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann
Kaninchenstaupe - ansteckender Kaninchenschnupfen

Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, Tel. 07735/6943
Durch den langen Winter bedingt, kam es in der letzten Zeit zu einem vermehrten Auftreten von ansteckendem Kaninchenschnupfen (Rhinitis contagiosa cuniculorum). Bei dieser Kaninchenkrankheit handelt es sich um eine akut und seuchenhaft verlaufende Infektionskrankheit, die vermutlich primär durch ein Virus erzeugt wird. Bisher sind weitere Erreger, wie Pasteurella multocida, Bordetella bronchiseptica, verschiedene Haemophilus-Arten, Mykoplasmen…, nachgewiesen worden. Die Krankheit ist wegen des oft akuten Verlaufs sowie einer schnellen Ausbreitung in einem Bestand sehr gefürchtet.
Das Krankheitsgeschehen ist außerdem von mehreren Faktoren (Massenhaltung auf engem Raum, unzureichende Haltungsbedingungen, nasskalte Witterungseinflüsse, mangelhafte Fütterung, Parasitenbefall) abhängig. Die natürliche Ansteckung erfolgt vor allem durch das Einatmen von Sekrettröpfchen, die von kranken Tieren durch häufiges Niesen ausgeschieden werden. Eine weitere Übertragungsmöglichkeit ist durch verseuchtes Futter, Einstreu, Arbeitsgeräte und den Menschen gegeben. Der ansteckende Kaninchenschnupfen wird in erster Linie durch Zukäufe von infizierten, klinisch nicht kranken Kaninchen in gesunde Bestände eingeschleppt.
Die ersten Krankheitserscheinungen treten in Form von wässrigem, im weiteren Verlauf grauschleimigem und letztlich eitrigem Nasenausfluss auf. Hinzu kommen Husten und Niesen, Mattigkeit und Fressunlust. Der chronische Verlauf ist durch Abmagerung und schleimig-eitrige Lidbindehautentzündung gekennzeichnet. Die Krankheitserreger gelangen über die Blutbahn in alle Organe und rufen hier eitrige Entzündungen (Hirnhautentzündung, Mittelohrentzündung, Lungen- und Brustfellentzündung, Herzbeutelentzündung, Entzündung der Nasen- und Rachenschleimhaut ) hervor. So werden auch im Bereich des Kopfes ödematöse Schwellungen und im Halsbereich bis apfelgroße Abszesse beobachtet.
Bei akutem Verlauf tritt der Tod innerhalb einer Woche ein. Bei der Sektion wird häufig eine Entzündung der Lunge, des Brustfells und des Herzbeutels festgestellt. Die Diagnose ist aufgrund des Krankheitsbildes, des Sektionsergebnisses und durch den bakteriologischen Erregernachweis zu stellen.
Die Behandlung schnupfenkranker Kaninchen erfolgt mit Antibiotika übers Trinkwasser oder Weichfutter, die vom Tierarzt einzusetzen sind. Vorher sind die erkrankten Tiere von den gesunden zu isolieren. Eine Begasung der Kaninchenstalles hat sich ebenfalls bewährt. Außerdem ist eine strenge Quarantäne für Neueinstallungen einzuhalten. Die Behandlung dieser gefährlichen Krankheit kann nur dann Erfolg haben, wenn den Tieren hygienische Haltungs- und Fütterungsbedingungen geboten und die notwendigen Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen gewissenhaft eingehalten werden.

