29. Oktober 2011

LANDLER/IN DES MONATS

Walter Ablinger


Am 21. Juni 1999 stürzte Walter Ablinger als Zimmerer von einer Dachkante 3,5 m in die Tiefe und landete mit dem Rücken auf einem Erdhaufen. Seither ist er ab dem 10. Brustwirbel gelähmt. Zum Zeitpunkt des Unfalls war Ablinger 3o Jahre alt und seine Ehefrau Marietta im dritten Monat schwanger. „Wenn du im Spitalsbett liegst und trotz größter Anstrengung die Zehen nicht bewegen kannst, dann schmerzt das am meisten im Kopf,” erinnert sich der Rainbacher. „Du weißt nicht mehr, was du denken sollst.”

Doch schon in der Reha zeigt Ablinger, von Jugend an ein Wirbelwind und 20 Jahre lang Fußballer der Union Rainbach, außergewöhnlichen Kampfgeist und mentale Stärke. „Ich habe sofort mit Sport begonnen. Mein Ziel war, von fremder Hilfe möglichst unabhängig zu werden. Ich weiß, dass ich auf den Rollstuhl angewiesen bin, aber ich fühle mich nicht an ihn gefesselt.”

Dafür hat Walter Ablinger hart gearbeitet. Vorbildlich unterstützt von Marietta, die neben ihrem Beruf auch den Haushalt mit den drei Töchtern - Jasmin (11) und die Zwillinge Stefanie und Leonie (4) - schupft. „Meine Familie gibt mir die meiste Kraft,” schwärmt Walter.

Diese Kraft führte den Kämpfer bis in die Weltspitze des Behindertensports. Walter spielte Rollstuhl-Basketball, gehörte zum Skinationalkader, betreibt Leichtathletik, Schwimmen und Skilanglauf. Seine Paradedisziplin Handbike betreibt er seit Jänner als Profi. Er errang heuer WM-Bronze im Einzelzeitfahren, gewann den Berlin-Marathon mit fast 42 km/h Schnitt (dafür gab’s 1.100 Euro Preisgeld), letztes Wochenende holte er sich in Mailand den Europacup-Handbike-Gesamtsieg, und dieses Wochenende will er in Heidelberg den Marathon-Weltrekord von 1:00:03 Stunden brechen.

Den Startplatz bei den Paralympics 2012 in London hat der Superathlet im Rollstuhl sicher. „Dort eine Medialle, wäre mein Traum!” Alle drücken die Daumen!