LANDLER/IN DES MONATS
Michael Ziegelböck
Auch im Zeitalter von Computer und Internet hat Handwerk noch goldenen Boden. Das gilt auch für den Kunstschmied, wenngleich es in dieser Branche mit dem Nachwuchs nicht sehr rosig aussieht. Michael Ziegelböck bildet eine löbliche Ausnahme. Der 16-jährige besucht seit zwei Jahren die „Fachschule für Kunsthandwerk - Metalldesign” in Steyr. Hier befindet sich Österreichs einzige Ausbildungsstätte für Kunstschmiede. Michaels Klasse besuchen acht Burschen und ein Mädchen. Sie büffeln Theorie und stehen am Schmiedeofen.
Michael Ziegelböck fühlt sich hier in seinem Element. Der Sohn eines Maschinenbauers und einer Fotografin entwickelte schon als Bub Sinn für das Herstellen von Dingen und zeigte dabei großes Talent. Andere Kinder spielten Fußball, Michael „spielte” mit Säge und Hammer. „Schon im Kindergartenalter ging er ins Lagerhaus shoppen, dann hat er mit einem Hammer Nägel glatt gemacht, also kaltgeschmiedet,” erinnert sich Mama Barbara. Die endgültige Berufsentscheidung traf Michael in der 4. Klasse Hauptschule nach drei Schnuppertagen in der Kunstschmiede Pöttinger in Taufkirchen an der Trattnach. „Danach war mir klar: Das ist genau das Richtige für mich,” so der intelligente Bursch.
In Haag hat Michael im „Müli Koasa Hof” eine kleine Schmiede zur Verfügung. Hier fertigt er zum Beispiel tolle Messer, deren Griffe er selbst schnitzt. Auf Wunsch schmiedet er Unikate (auch aus faszinierend gemustertem Damaszenerstahl), die sogar auf die Handgröße abgestimmt werden. Steht Michael einmal an der Esse, ist er kaum mehr wegzubringen. Zu Ostern hat er mit einem Schulfreund wieder „zwei Tage lang Vollgas geschmiedet. Von 8 Uhr bis es finster geworden ist,” erzählt der Jungschmied. Die Kraft dafür kommt mit der Arbeit.
Am Sonntag, 15. Mai, kann man Michael Ziegelböck von 11 bis 17 Uhr beim großen Renaissancemarkt im Schloss Starhemberg in Haag am Hausruck in Aktion bewundern und seine Messer bestaunen. Auch Besenbinder, Schuster, Korbflechter und Schindelmacher zeigen dort ihr außergewöhnliches Können. Dudelsackspieler musizieren, Kinder erwartet ein Spezialprogramm, am Speisezettel stehen „Gerichte mit Geschichte”.

