REPORTAGE
Max Hiegelsberger (45) aus Meggenhofen weiß, dass er als Neo-Landesrat nicht alle Wünsche erfüllen kann
„Ich bin ja nicht das Christkind"
Elisabeth (43) und Max Hiegelsberger haben drei Söhne im Alter von 11, 16 und 20 Jahren. Weil der Politiker viel außer Haus ist, lastet die Stallarbeit großteils auf den Schultern seiner Frau, die sich über die Hilfe von Vater Franz freut. Auch die Kinder packen oft mit an. „In Zukunft müssen wir zu Spitzenzeiten auf externe Hilfe zurückgreifen oder von Zucht auf Mast umstellen,” so das Paar.
Am Anfang der politischen Laufbahn von Maximilian Hiegelsberger stand kein Karriereplan, sondern der Zufall: „Ich bin mit 17 Jahren zu einer Versammlung der Jungen ÖVP gegangen und als Obmann heimgekommen,” erinnert sich der 45-jährige Landwirt aus Meggenhofen. Ähnlich war die Situation vor neun Jahren, als Meggenhofens Bürgermeister aus Gesundheitsgründen das Amt zurücklegen musste. „Max, den Burgamaster musst jetzt Du machen, da gibt’s sonst niemand,” hieß es damals im Gemeinderat, wo Hiegelsberger seit 1991 vertreten ist.
Max sprang wieder einmal in die Bresche und erledigte seine Aufgaben so erfolgreich, dass sich auch der ÖVP-Landeparteivorstand rasch einig war, als es nun um die Nachfolge von Agrarlandesrat Dr. Josef Stockinger ging. Einstimmig wurde Hiegelsberger, seit 2009 Landtagsabgeordneter, nominiert. Diesen Donnerstag wird er als neues Landesregierungsmitglied angelobt.
Der Familienvater aus dem Landl weiß, dass er als Agrar- und Gemeindereferent keine leichte Aufgabe vorfindet. Hiegelsberger: „Es ist legitim, dass an einen Politiker viele Wünsche herangetragen werden. Vieles kann man im Gespräch klären. Es belastet mich aber auch nicht, wenn ich etwas nicht erfüllen kann. Ich bin ja nicht das Christkind.”
Der Hobbyläufer und Trompetenspieler hat im Laufe der Jahrzehnte allerdings bewiesen, dass er in der Lage ist, Nägel mit Köpfen zu machen. Das war bei der Gründung der Brennereigemeinschaft so („Ich brenne alles, was ich selber hab’: Äpfel, Birnen, Zwetschken. Nur der Kirschenschnaps ist komplett danebengegangen.”), der mittlerweile 30 Landwirte aus fünf Gemeinden angehören. Und das war bei der Gründung des Biomasse-Heizwerks so. Es heizt schon alle öffentlichen Gebäude in Meggenhofen. Hiegelsberger sitzt als geprüfter Bioenergieberater und treibende Kraft im Vorstand der Ökoenergiegesellschaft.
Dass Hiegelsberger Talent zur Führungskraft hat, bewies er schon als Bub. Er war in seiner Schülerliga-Fußballmannschaft der Kapitän, und er kletterte als Zehnjähriger aufs Stadldach des elterlichen Hofes, um einmal um den First zu rennen. „Diese Mutprobe musste ich bestehen, sonst wäre ich nicht in unsere Jugendbande aufgenommen worden,” lacht der Neo-Landesrat.
Jedes dritte Regierungsmitglied in OÖ kommt aus Grieskirchen
Das Landl ist der Regierungsbezirk Oberösterreichs. Drei der neun Mitglieder der Landesregierung kommen aus dieser Region, genauer gesagt aus dem Bezirk Grieskirchen. Alle drei gehören der ÖVP an. Max Hiegelsberger aus Meggenhofen löst Dr. Josef Stockinger aus Aistersheim ab, dessen politischer Ziehvater und Vorvorgänger als Agrarlandesrat ebenfalls aus Grieskirchen kam: Leopold Hofinger. Hofinger war von 1978 bis 1997 in der Regierung für Landwirtschaft zuständig. Er verstarb im Dezember 2008. Sein Hof in Paschallern und die Höfe der Familien Hiegelsberger und Stockinger bilden in Luftlinie etwa ein Fünf-Kilometer-Dreieck.
Zur aktuellen „Grieskirchen-Connection” in der Regierung gehören neben Hiegelsberger die Landesrätin Mag. Doris Hummer (37) aus Pötting und LH-Stellvertreter Franz Hiesl (58), der in Eschenau im Hausruck geboren wurde, in Neukirchen am Walde zur Schule ging und jetzt in Perg lebt. Hummer sitzt seit einem Jahr als einzige Frau in der Regierung und verantwortet die Bereiche Bildung, Frauen und Jugend. Hiesl gehört seit 1995 dem Regierungsteam an. Seine Ressorts: Straßenbau, Familie, Personal.
Eine Vorliebe für Bagger hat LH-Stv. Franz Hiesl. Als Straßenbaureferent bekennt er sich zu einem offensiven Ausbauprogramm.
