22. September 2020

AKTUELLES

Nanozellulose als nachhaltiger Ersatz für Plastik ist vielfältig einsetzbar

Eine weltweit bedeutende Erfindung wächst in Gaspoltshofen zur Serienreife

Noch ist es eine One-Man-Show, doch in Gaspoltshofen wächst eine Erfindung mit dem Potential für einen Welterfolg zur Serienreife heran: DI Michael Jarolim hat ein Patent zur Herstellung von Nanozellulose entwickelt, die zum Beispiel Plastik in der Lebensmittelverpackung ersetzen kann. Dem Erfinder winkt ein Staatspreis.


DI Michael Jarolim ist mit seiner Nanozellulosefaser ein großer Wurf gelungen.

Zellstoff aus Bäumen, Baumwolle, Gras, Altpapier oder Rübenabfälle sind die Ausgangsprodukte, dazu kommt Wasser und Strom - mehr braucht Michael Jarolim nicht zur Erzeugung seiner Nanozellulosefaser.
Und diese hat es in sich: Sie ist einfach, günstig und energiesparend herzustellen und wegen ihrer spezifischen Oberfläche unter anderem „für die Papierindustrie interessant, und sie kann für Kosmetik, Medizinprodukte und bei der Lebensmittelverpackung eingesetzt werden,“ erklärt ihr Erfinder. „Das 100-prozentige Naturprodukt ist biologisch abbaubar und für Fauna und Flora ungiftig.“
Jarolims Nanozellulose kann als hauchdünne Folie verwendet werden und zum Beispiel die Plastikkomponenten in Wurstpapier oder Tetrapak ersetzen. Studien ergaben einen weltweiten Bedarf von jährlich 35 Millionen Tonnen dieser Faser.
Jarolim tüftelt seit vier Jahren an seiner Erfindung. Der 50-Jährige ist in Salzburg aufgewachsen, studierte in Graz Verfahrens-, Papier- und Zellstofftechnik und arbeitete dann für die Firma Andritz. Seine erste Versuchsanlage baute er im Kinderzimmer seiner Wiener Wohnung. Dann übersiedelte er mit Familie nach Gaspoltshofen in den Heimatort seiner Gattin. Hier steht nun die Pilotanlage. „Sie hat in der ersten Sekunde funktioniert. Das hat mich ein wenig stolz gemacht,“ erzählt Jarolim. Diesen Donnerstag wird ein Investorenvertrag unterzeichnet, nächstes Jahr soll die erste Produktionsanlage bei einem Kunden errichtet werden.
Jarolims Erfindung wurde wegen ihrer humanitären Bedeutung für den österreichischen Staatspreis „Patent 2020“ nominiert. Diese höchste Auszeichnung für Erfindungen wird am 9. November vergeben.