16. Juli 2019

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Die Rote Vogelmilbe - Geflügelplage Nummer 1


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Der Befall des Geflügels mit der Roten Vogelmilbe ist eines der Hauptprobleme, das nur sehr unbefriedigend zu lösen ist. Was Sie als Geflügelhalter wissen sollten und wie Sie die Milben bekämpfen können, möchte ich Ihnen diesmal vermitteln, wobei ich mich vor allem auf die Expertise von Mag. Harald Schliessnig und Mag. Markus Eigner stütze.
Die Rote Vogelmilbe befällt vor allem Legehennen, was durch die recht lange Haltungsdauer der Hennen und durch Legenester als potentielle Verstecke erklärt werden kann. In der Nacht werden die Wirte von den Milben befallen und es wird ihnen Blut entzogen, während sich die Milben untertags in ihre Verstecke, bevorzugt in Ritzen und Spalten, zurückziehen. Dort legen sie auch ihre Eier. Sie kommen monatelang ohne Nahrung aus und haben ein hohes Resistenzvermögen gegenüber Insektiziden. Bei den befallenen Tieren treten dadurch Stress, Leistungsabfall, Gewichtsverlust, Anämie und im Extremfall der Tod auf. Außerdem können Pockenviren oder Bakterien, unter anderem Salmonellen, übertragen werden, und auch Kannibalismus kann ausgelöst werden.
Circa 80 Prozent der Legehennen-Haltungen haben ein Problem mit der roten Vogelmilbe. Der dadurch auftretende Schaden wird in der EU jährlich auf etwa 150 Millionen Euro geschätzt. Eine Vogelmilbe kann unter optimalen Voraussetzungen in acht Wochen 120.000 Eier legen. Der Milbenbefall kann durch klinische Symptome und den Nachweis der Milben im Stall bzw. auf den Tieren diagnostiziert werden. Hierzu eignen sich in besonderem Maße Milbenfallen. Weitere Anzeichen starken Befalls können Eier mit punktförmigen Verschmutzungen aus zerquetschten Milben und Hautreizungen bei Landwirten (Vogelhalterkrätze) sein.

Welche Bekämpfungsmöglichkeiten gibt es?

Physikalisch: Silikate haben einen austrocknenden Effekt; Absaugen der Milbennester; sorgfältige Reinigung möglichst bald nach der Ausstallung, da sich die Milben schnell zurückziehen; Temperaturen ab 40 Grad Celsius und starker Frost werden von den Milben nicht vertragen; Milbenfallen-Klebebänder um die Sitzstangen; Öle verstopfen die Poren der Milben und sie ersticken.
Chemisch: Befragen Sie hinsichtlich dieser Mittel Ihren Betreuungstierarzt, um das optimale Produkt für Ihren Betrieb auszuwählen.
Alternative Methoden: Kräutermischungen und ätherische Öle mit Repellent-Wirkung; Neembaum-Öl sowie Trinkwasserzusätze.
Wenn auch hauptsächlich die Legehenne von der Roten Vogelmilbe betroffen ist, so kann die Verbreitung und Bekämpfung auf alle Geflügelsparten verallgemeinert werden.