24. April 2019

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Kaninchen-Problemzonen


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Diesmal möchte ich auf einige Veränderungen der Augen, Ohren und Zähne beim Kaninchen eingehen:
Lidbindehautentzündung (Konjunktivitis)
Sie entsteht, abgesehen  von erregerbedingten Ursachen, zum Beispiel durch Kratzen, Beißen, Fremdkörper, ammoniakhaltige Stallluft, Rauch oder Desinfektionsmittel. Die Lidschleimhaut ist gerötet und geschwollen, es besteht schleimiger oder eitriger Augenausfluß. Die Tiere zeigen Lichtscheue und Schmerzäußerungen. In fortgeschrittenen Fällen führt das Augensekret zu Ekzemen unterhalb des Auges mit Schorfbildung. Die Behandlung besteht in der Abstellung der auslösenden Ursachen und das Einbringen von Augentropfen bzw.- salben.
Hornhautentzündung
Häufig im Anschluss an Konjunktivitis und auf ähnliche Ursachen wie diese zurückgehend, entwickeln sich begrenzte oder diffuse Hornhauttrübungen und -entzündungen. Die Behandlung ist ähnlich wie bei der Konjunktivitis, in schwereren Fällen ist eine antibiotikahaltige Augensalbe anzuwenden.
Linsentrübung
Auf erblicher Grundlage kommt nicht zu selten eine grau-weiße Trübung der Augenlinse (grauer Star) vor, die aber häufig übersehen wird. Sie kann ein- oder doppelseitig sein und äußert sich in Blindheit eines oder beider Augen.
Äußeres Ohr
Häufig führen Bisswunden zu Eiterung und Vernarbung, gelegentlich auch Erfrierungen, als deren Folge sich Hautnekrosen, in fortgeschrittenen Fällen auch ein Gangrän der Ohrmuschel entwickeln. Ferner lassen langohrige Rassen nicht selten Ohrhämatome erkennen, die auf traumatische Ursachen, wie Reiben, Schütteln und Schlagen der Ohren gegen die Käfigwand, zurückzuführen sind. Die schmierigen oder verkrusteten Inhaltsmassen des äußeren Gehörganges müssen vor Beginn einer spezifischen Behandlung entfernt werden.
Inneres Ohr
Die Mittelohrentzündung ist beim Kaninchen relativ häufig, vor allem im Gefolge des ansteckenden Schnupfens oder einer Gehörgangsentzündung. Die Tiere zeigen Schiefhaltung des Kopfes zur Seite des erkrankten Ohres sowie verstärkten Juckreiz. Sofern eine Behandlung noch sinnvoll erscheint, ist sie mit handelsüblichen Ohrentropfen vorzunehmen.
Auswachsen der Schneidezähne
Es wird bei älteren Kaninchen gelegentlich beobachtet und entsteht bei Ausfall eines Schneidezahns oder durch ungleichmäßige Abnutzung der Zähne und Abweichungen in der Stellung der Kiefer. Mit der Dauer erschweren solche verlängerten Schneidezähne die Futteraufnahme und machen sie schließlich unmöglich. Die Behandlung besteht im Abschleifen und Raspeln solcher Zähne, doch stellt das infolge des ständigen Nachwachsens nur eine vorübergehende Lösung dar, die bei wertvollen Zuchttieren eine gewisse Zeit, etwa bis zum Absetzen der Jungtiere, angezeigt erscheint. Solche Tiere sollten von der Zucht ausgeschlossen und baldmöglichst geschlachtet werden, da eine Vererbung einer fehlerhaften Kiefer- und Zahnanlage nicht auszuschließen ist.