16. Dezember 2018

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Fettsucht - Problem mit Folgen


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Tiere, die bei der Nahrungsaufnahme auf die betreuende Hand des Menschen angewiesen sind, haben natürlich einen ganz ähnlichen Nahrungsbedarf wie ihre frei lebenden Verwandten. Deshalb gehört zur richtigen Ernährung unserer Haustiere ein ernährungsphysiologisches Grundwissen, da in der Praxis oft gravierende Fehler bei der Fütterung begangen werden, die weitreichende Folgen für die Gesundheit der Tiere haben.
Eine der häufigsten Negativfolgen stellt die Fettsucht (Adipositas) dar, die 30 bis 40 Prozent unserer Lieblinge betrifft. Wurde die Adipositas bei Hund und Katze festgestellt, ist diese nur mit viel Konsequenz zu bekämpfen.
Die Ernährung bei Fettsucht muss das ursächliche Missverhältnis zwischen Energiezufuhr und -verbrauch beseitigen. Dies ist durch Verminderung der Energieaufnahme oder durch Erhöhung des Energieverbrauchs zu erreichen. Bei jungen und noch bewegungsfähigen Tieren kann der Energieverbrauch durch gesteigerte Bewegung erhöht werden. Bei alten Hunden und Katzen ist dies kaum möglich, so dass hier nur die Reduzierung der Energieaufnahme bleibt. Dies ist durch langsame Verminderung der Tagesgesamtfuttermenge bei normgerechter Grundnährstoff-, Mineralstoff- und Vitaminversorgung zu erreichen. Die Energiezufuhr kann bis zu 60 Prozet des Erhaltungsbedarfs gesenkt werden. Die Reduzierung des Nahrungsangebots und die Steigerung der Bewegung sollen aber nur langsam, wöchentlich um jeweils 10 Prozent erfolgen.
Sind die Tiere an Fertigfuttermittel oder bilanzierte Feuchtfutterzusammenstellungen gewöhnt, ist die Energiemenge infolge des bekannten Energiegehalts pro 100 g Futtermittel durch Verminderung der Tagesgesamtfuttermenge leicht zu reduzieren. Speziell für diesen Sektor bieten verschiedene Hersteller Diätfuttermittel an. Das gilt nicht für unbilanzierte Futtermittel aus Fleisch, Schlachtabfällen oder Speiseresten. Wurden sie gefüttert, sollte das adipöse Tier zunächst erst auf ein bilanziertes Futter umgestellt werden, ehe die Energiereduzierung beginnt.
Wesentlich für den Erfolg einer diätetischen Abmagerungskur sind der feste Vorsatz und der gemeinsame Entschluss der gesamten Tierhalterfamilie. Um ein vermehrtes „Betteln“ der Tiere zu vermeiden, können voluminöse und sättigend wirkende, aber energie- und nährstoffarme Futtermittel mit der reduzierten Tagesgesamtfuttermenge vermischt werden.
Tägliche, mindestens aber wöchentliche Gewichtskontrollen machen den Erfolg der Abmagerungskur deutlich. Ist das angestrebte Körpergewicht erreicht, wird die Nahrungszufuhr langsam, um ca. 10 Prozent pro Woche, gesteigert, bis ein konstant bleibendes Körpergewicht anzeigt, dass die Energiebilanz ausgeglichen ist. In der Regel liegt die Tagesgesamtfuttermenge dann bei 70 bis 80 Prozent des Erhaltungsbedarfs. Die beim Menschen mit der Reduktionskost verbundene psychologische Komponente ist bei den Tieren ohne Bedeutung. Hier kommt es allein auf die notwendige Konsequenz des Tierbesitzers an.