20. November 2018

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Blutohr beim Hund


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Die Ohrmuscheln werden von zahlreichen, kleinen Blutgefäßen durchzogen. Beim heftigen Gegenschlagen der Ohren an einen festen Gegenstand kann leicht eines der zarten Blutgefäße platzen. Es entsteht eine Blutblase am Ohr, oder kurz gesagt, ein Blutohr. Das Ohr schwillt infolge des Blutergusses an, ist schmerzhaft und vermehrt warm. An seiner Innenseite stellt man eine länglichrunde Anschwellung fest, die mitunter die Größe eines Hühnereies erreicht.
Blutohren kommen häufiger bei Hunden mit Schlappohren vor, da ihre Ohren beim Herumtollen wie Flügel auf und nieder schlagen und dabei leicht Verletzung ausgesetzt sind. Andere Rassen bleiben deswegen nicht verschont. Sie können sich ein Blutohr bei Beißereien und Unfällen zuziehen. Bei allen Hunden wird man außerdem die Ohrmuscheln sehr genau auf Ohrenzwang untersuchen müssen, weil er die Tiere zu fortwährendem Schütteln mit dem Kopf veranlasst und daher oft die Ursache für ein Blutohr darstellt.
Nur sehr kleine Blutergüsse lassen sich durch wiederholte Einreibungen mit Kampfersalbe von selbst zur Aufsaugung bringen. Punktionen der Anschwellung führen meist nicht zum Ziel, da sich die Ansammlungen in Kürze neu bilden können. Man muss etwas Geduld aufbringen, bis der Tierarzt die Geschwulst durch einen langen Einschnitt eröffnen kann. Gewöhnlich wartet man acht bis vierzehn Tage mit der Spaltung. In dieser Zeit hat sich um den Bluterguss eine Kapsel gebildet, das Blut hat sich abgesetzt, und es braucht bei der operativen Eröffnung keine Nachblutung befürchtet zu werden. Dieser Heilungsvorgang lässt sich vom Hundebesitzer durch feuchtwarme Kompressen und durch die Anwendung von 10-prozentiger Kampfersalbe unterstützen. Wichtig ist währenddessen eine völlige Ruhigstellung des Ohres. Man verwendet zu diesem Zweck am besten ein Haar- oder Einkaufsnetz, das man sich entsprechend zurechtschneidet. Ein derartiges Netz empfindet der Hund weniger störend als einen großen Kopfverband. In den ersten Tagen nach der Eröffnung des Blutohres wird sich allerdings ein Verband nicht vermeiden lassen, um die Operationswunde vor Verschmutzung zu schützen. Anfangs ist der Verband täglich zu wechseln. Später kann man wieder das Netz verwenden.
Der bei einem Blutohr erforderliche chirurgische Eingriff ist harmlos und ungefährlich. Nach dem Einschnitt werden Blut und Gerinnsel herausgedrückt und die Wunde mit einem heilungsfördernden Arzneimittel behandelt. Die Heilung geht schnell vonstatten. Ein zu rasches Verkleben oder Zusammenwachsen der Schnittwunde ist jedoch keineswegs erwünscht, da es sonst in Kürze durch die sich ansammelnden Wundabsonderungen zu einer erneuten Anschwellung des Ohres kommt. Um das zu verhüten, muss man notfalls die Wundränder mit beiden Daumen gewaltsam auseinanderziehen, selbst wenn man damit dem Hund etwas Schmerzen zufügt. Das ist in jedem Fall besser als ein nochmaliger Einschnitt.
Die Abheilung eines operativ behandelten Blutohres ist sehr oft mit einer narbigen Zusammenziehung der Ohrmuschel verbunden. Während dies bei schlappohrigen Hunderassen kaum auffällt, können Stehohren dadurch verunstaltet werden.