21. Oktober 2018

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Wellensittich-Futterhygiene


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Der Wellensittichhalter ist in der Hauptsache auf das Futterangebot der zoologischen Fachgeschäfte angewiesen. Wichtig: Das Futter darf nie in verschlossenen Gefäßen oder Plastiksäcken gelagert werden. Einzeln gehaltene Wellensittiche dürfen leider oft bei ihren Besitzern von allen Speisen naschen. Das ist nicht zu empfehlen.  Ich warne z. B. vor Rotwein, Fruchtsäften, Milch, Weißbrot, Toastbrot, Biskuit, Zwieback, Waffeln, Butter, Quark, Sahne, Früchte, Pudding, Zucker, Schokolade, leichte Eierspeisen, Kartoffeln, Weizen- und Maisflocken. Absolut verboten sind Likör, Kognak, Kaffee,  Kuchen, Fleischspeisen und tierische Fette.  Ein Naschen der Vögel während der Mahlzeiten ist aus hygienischen Gründen abzulehnen. Küchentechnisch zubereitete Speisen, also gewürzte oder gebratene Gerichte, sind auf Dauer dem Vogel nicht zuträglich.
Die Futterqualität ist zuerst sensorisch zu beurteilen. Mit Hilfe der Sinnesorgane können Verschmutzungen, Verfärbungen, Fremdbeimengungen sowie Geruchsabweichungen festgestellt werden. Ist das Futter stark keimfähig, steht ein wertvolles Futter zu Verfügung. Die Keimprobe wird folgendermaßen durchgeführt: Ein Teil des Futters wird über ein Sieb gewaschen und in einem Gefäß mit Wasser übergossen und einen Tag bei Zimmertemperatur aufbewahrt. Danach wird der Überstand abgegossen und mit klarem Wasser gespült. Nach dem Abtropfen wird das Futter im Sieb belassen oder in ein Gefäß verbracht. Nach ein bis zwei Tagen sprießen die Keimlinge. Man empfiehlt 100 Körner abzuzählen und keimen zu lassen, man erhält dadurch eine prozentuale Aussage über die Keimfähigkeit des Futters.
Eine Bevorratung von Futtermitteln hat so zu geschehen, dass eine Verunreinigung durch Nager, Schadinsekten, Schimmelpilze oder Verschmutzung durch Fremdstoffe ausgeschlossen ist.
Häufig ist die Futter- oder Mehlmilbe in den Futtermitteln zu finden. Man kann das Futter portionsweise vakuumieren und bei -18°C einfrieren. Damit werden alle Milben abgetötet. Größere Gefahr für die Gesundheit der Vögel geht von den sogenannten Lagerpilzen aus. Neben den lebervergiftenden Effekten und der krebserregenden Wirkung können  Schleimhautentzündungen, Lungen-, Nierenschädigungen und neurotoxische Wirkungen beobachtet worden.
Bei der Sammlung von Grünfutter ist auf mit Pflanzenschutzmitteln behandelte Flächen zu achten. Auch in unmittelbarer Nähe von stark befahrenen Straßen sollte kein Grünfutter gewonnen werden. Bei der Verfütterung von Weichfutter ist vor allem in der warmen Jahreszeit die Fütterung zeitlich zu begrenzen. Es ist bereits nach 2-3 Stunden wieder zu entfernen. Eine Verabreichung direkt auf den Futterbrettern ist zu vermeiden. Eine sogenannte Aufbesserung des Körnerfutters mit Lebertran, wie es leider immer noch in vielen Abhandlungen über Vogelpflege empfohlen wird, ist grundsätzlich abzulehnen. Den Vögeln sollte grundsätzlich Wasser von Trinkwasserqualität angeboten werden, das auch mehrmals am Tag gewechselt werden kann. Eine tägliche Erneuerung des Wassers nach erfolgter Reinigung der Gefäße ist unbedingt erforderlich.