26. September 2018

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Fremdkörper in Fang und Rachen


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Der Spieltrieb und die Apportierfreudigkeit unseres vierbeinigen Freundes haben leider auch eine weniger erfreuliche Kehrseite. Nicht selten endet ein fröhlicher Spaziergang beim Tierarzt, weil der Hund eine zugeworfene Kastanie verschluckte, die ihm in der Speiseröhre steckenblieb, oder weil das spitze Ende eines apportierten Astes abbrach und sich in der Mundhöhle zwischen den Zähnen festklemmte. Manchmal wird der Hund auch das Opfer seines Futterneides, indem er zu große Futterbrocken oder Knochen gierig verschlingt, die dann zu einer Schlundverstopfung führen können. Die Zunge ist ein beliebter Sitz für aufgenommene Näh- oder Stecknadeln. Ebenso können sich andere spitze Fremdkörper im Bereich des Rachens, des Kehlkopfes oder der Speiseröhre einbohren und tief in das Gewebe eindringen. Ringförmige Gebilde stülpen sich mitunter über die Zunge oder die Kieferäste.
Hat sich ein Fremdkörper in der Mundhöhle festgesetzt, so wird der Hund unruhig und versucht, ihn durch Wischen mit den Vorderpfoten oder durch Scheuern des Kopfes auf dem Boden zu entfernen. Diese erfolglosen Bemühungen sind mit Speicheln verbunden. Sitzt der Fremdkörper im Bereich des Rachens oder des Kehlkopfes, dann machen sich Brechreiz und Würgebewegungen bemerkbar. Hat sich ein Holz- oder Knochensplitter zwischen den Zähnen festgeklemmt, kann manchmal der Fang nicht vollständig geschlossen werden.
In jedem Fall wird man für eine möglichst schnelle Entfernung des Fremdkörpers sorgen müssen. Bei Nadeln ist das meist nicht ohne Narkose möglich. Hier muss der Tierarzt eingreifen. Zwischen den Zähnen eingekeilte Knochen- oder Holzsplitter kann man versuchen, mit einer Pinzette zu entfernen. Diese Prozedur lässt sich der Hund gewöhnlich nicht ohne Zwang gefallen. Man benötigt eine Hilfsperson, die den Kopf mit Hilfe des Genickunterkiefergriffes  fixiert. Das Öffnen des Fanges wird erleichtert, indem man den Unterkiefer mit einer Hand umgreift und mit dem Daumen sowie den übrigen Fingern die Lefzen nach innen zwischen die Zahnreihen drückt. Kommt man auf diese Weise nicht zum Ziel, so sucht man sofort den Tierarzt auf. Das Offenhalten des Fanges mit einem Keil oder Band ist für den Laien nicht zu empfehlen.
Es ist nicht zu erwarten, dass ein im Schlund steckengebliebener Fremdkörper von selbst in den Magen weiterrutscht. Die Speiseröhrenwand legt sich im Gegenteil dem Hindernis dicht an und saugt sich förmlich daran fest. Wartet man mit der tierärztlichen Behandlung zu lange, so gibt es durch den andauernden Druck Schädigungen des Gewebes. Beim Versuch, den Fremdkörper zu entfernen, kann es dann zu einer Schlundzerreißung kommen. Ebenfalls ungeeignet ist das Eingeben von Flüssigkeiten, in der Hoffnung, den steckengebliebenen Bissen schlüpfrig und gleitfähig zu machen. Es besteht die Gefahr, dass der Hund fehl schluckt und Flüssigkeit in die Lunge gerät.
Mit Hilfe geeigneter Instrumente lassen sich die Fremdkörper meist in Narkose - auch unter dem Röntgenschirm - in den meisten Fällen durch den Tierarzt beseitigen.