16. Dezember 2018

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Fieber sagt viel aus


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Die normale Körpertemperatur des Hundes schwankt, je nach Größe der Rasse, zwischen 37,5 und 39° C. Bei Junghunden und Zwergrassen kann sie sogar bis zu 39,2° betragen. Bei der Temperaturmessung ist jedoch zu berücksichtigen, dass auch beim gesunden Hund Temperatursteigerungen über 39° auftreten können, beispielsweise nach der Fütterung oder nach lebhafter Bewegung und anderen körperlichen Anstrengungen.  Deshalb soll die Messung nur nach körperlicher Ruhe und möglichst immer zum gleichen Zeitpunkt vorgenommen werden.
Mit der angeführten Einschränkung ist jede Temperatursteigerung über 39° als Fieber zu betrachten. Von hochgradigem Fieber sprechen wir ab 41°. Ähnlich wie die Entzündung, ist das Fieber als eine natürliche Reaktion des Körpers zum Schutz gegen die eingedrungenen Krankheitserreger aufzufassen. Mit dem Ziel, die Eindringlinge niederzuwerfen, werden die Stoffwechselvorgänge angefacht und bestimmte Abwehrstoffe des Organismus in Bewegung gesetzt. Es ist also keineswegs richtig, bei jeder fieberhaften Erkrankung sofort zu einem fiebersenkenden Mittel zu greifen. Wichtiger ist es, möglichst schnell die Ursache zu erkennen und diese mit geeigneten Medikamenten zu beeinflussen. Besteht das Fieber allerdings über längere Zeit, so wirkt es sich nachteilig aus. Herz und Kreislauf werden in Mitleidenschaft gezogen, die Nährstoffreserven des Körpers angegriffen und das Tier geschwächt. In einem solchen Fall erweisen sich die fiebersenkenden Mittel als nutzbringend.
Wie bereits angedeutet, kommt Fieber in erster Linie durch Krankheitserreger zustande. Deshalb ist bei jeder fieberhaften Temperaturerhöhung zunächst einmal an eine Infektionskrankheit zu denken. Mitunter erlaubt der Fieberverlauf einen Rückschluss, um welche Erkrankung es sich möglicherweise handelt. So kann man bei Staupe nicht selten eine zweigipflige Fieberkurve beobachten; eine Feststellung, die für die einzuleitende Behandlung von Bedeutung ist. Eiterungen, offene Wunden, in die Schmutzkeime gelangen, und die verschiedensten Entzündungen gehen mit einer fieberhaften Temperatursteigerung einher. Auch der Zerfall von Gewebe, wie er sich unter anderem bei größeren Verletzungen ereignet, kann mit Fieber verbunden sein.
Fieber ist demnach ein wichtiges Alarmsignal. In der Regel werden wir durch Appetitlosigkeit und Teilnahmslosigkeit unseres vierbeinigen Freundes auf das Fieber aufmerksam. In einem solchen Fall ist der erste Griff zum Fieberthermometer und, wenn sich der Verdacht bewahrheitet, der nächste Schritt zum Tierarzt. Die Temperaturmessung erfolgt mit dem gleichen Thermometer, wie wir es für eigene Zwecke verwenden. Es wird grundsätzlich im Mastdarm gemessen. Um das Thermometer leichter einführen zu können, wird die Spitze mit Öl oder Fett gleitfähig gemacht. Unter leicht drehenden Bewegungen führt man es etwa 4 cm tief in den Mastdarm ein und misst mindestens drei Minuten. Während der Messung ist das Thermometer festzuhalten.