18. Juni 2018

AKTUELLES

„Pyramidenspiel“ macht 23-Jährigen reich

120.000 Euro in neun Monaten kassiert

Tobias Weinzierl aus Waizenkirchen hat in neun Monaten 120.000 Euro verdient. Sagt der 23-Jährige stolz. Er macht kein Geheimnis daraus, dass die Kohle aus einer Art „Pyramidenspiel“ mit Schneeballsystem stammt. Auf diese Weise hat er im Raum Grieskirchen-Eferding schon zwei Millionen Euro umgesetzt.


Tobias Weinzierl (23) liebt die großen Scheine.

Einmal mit einer Rolex am Handgelenk in einem Lamborghini oder Ferrari zu sitzen - davon träumt Tobias Weinzierl seit langem. „Ich war schon immer hungrig nach mehr,“ nennt das der 23-Jährige. Aber wie kommt man zu so viel Geld?
Darauf wusste Weinzierl lange Zeit auch keine Antwort. Er brach die HTL in Grieskrichen ab, machte eine Lehre als IT-Techniker und verdiente nach dem Zivildienst beim Logistikkonzern TGW in Wels 1.600 Euro netto im Monat. Nicht schlecht für einen jungen Burschen, doch eine Rolex ging sich damit nicht aus, und ein Ferrari schon gar nicht. Weinzierl: „Ich dachte immer, ich bin nicht intelligent genug, um etwas Besonderes zu erfinden.“
Etwas Besonderes sind seit einiger Zeit Kryptowährungen wie Bitcoin. Damit können Spekulanten viel Geld gewinnen oder verlieren. Im Vorjahr kam Weinzierl durch einen Freund mit einer Firma in Kontakt, die Geschäfte mit Kryptowährungen machte. Der junge Waizenkirchner sah die Chance, ans große Geld zu kommen: „Ich war begeistert“. Er kündigte bei TGW, löste einen Gewerbeschein als freier Handelsagent und vertrieb ab August 2017 in einer Art Pyramidenspiel Kryptogeld. „Ich wusste, entweder ich melde in einem Jahr Privatkonkurs an oder ich schafffe den Durchbruch.“
Im Februar wurde Tobias Weinzierl die Sache zu heiß. Er wechselte die Branche, aber nicht das System. Weinzierl heuerte als Handelsagent beim „Jeunesse“-Konzern mit Sitz in Florida an. Diese Firma vertreibt in 150 Ländern Schönheits-, Gesundheits- und Fitnessprodukte, wie Antifaltencreme, Energy­drink, Eiweißpulver… „Es sind lauter Produkte, damit man sich jünger, fitter und schöner fühlt,“ verspricht Weinzierl, der mit seinem Freund Patrick für „Jeunesse“ Österreich beackert. Den Produktversand erledigt eine Firma in den Niederlanden.
Das Vertriebssystem gleicht wieder einer Pyramide. Die Kunden kaufen Produktpakete im Wert von 200 bis 3.000 Euro, die sie selbst verwenden und/oder weiterverkaufen. Bei jedem Weiterverkauf kassiert Weinzierl mit.
In diesem Schneeballsystem hat der HTL-Abbrecher mittlerweile etwa 110 selbständige „Mitarbeiter“, vorwiegend in den Bezirken Grieskirchen und Eferding. Derzeit kassiert Weinzierl monatlich etwa 7.000 Euro Provision. „Mein Ziel sind 100.000 Euro im Monat, denn wir wollen unser Netzwerk über ganz Österreich ausdehnen,“ sagt er.
Insgesamt haben Weinzierl und sein Gefolge in den vergangenen neun Monaten etwa zwei Millionen Euro umgesetzt. Weinzierl streifte als Kopf der Pyramide bisher 120.000 Euro ein und hat kein schlechtes Gewissen. „Ich zeige Menschen, wie sie Geld verdienen können und verdiene dabei selbst mit.“ Zu diesem Zweck hat er im TIZ Grieskirchen einen Seminarraum gemietet, wo es jeden Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag um 20 Uhr Infoveranstaltungen für Interessenten gibt.
Je größer das Vertriebsnetz, desto lauter klingelt die Kasse bei Weinzierl an der Pyramidenspitze. Eine Rolex um 10.000 Euro besitzt er bereits. „Außerdem habe ich mir eine Eigentumswohnung in Wels gekauft, die ich vermiete.“ Als nächste Investition steht ein neues Auto an. „Wahrscheinlich ein Audi R 7 oder S 7. Einige Bitcoins habe ich übrigens auch noch. Ich glaube, die gewinnen noch einmal an Wert.“