26. Mai 2018

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Schnabelerkrankungen


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Veränderungen des Schnabels treten in verschiedenen Formen auf. Häufig liegt ein abnormes Längenwachstum des Oberschnabels vor. Um eine einigermaßen physiologische Futteraufnahme zu gewährleisten, muss dieser in regelmäßigen Abständen gekürzt werden. Das übermäßige Längenwachstum des Oberschnabels tritt vornehmlich bei männlichen Wellensittichen auf. Ob dafür ein  Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen verantwortlich zu machen ist, ist schwer nachweisbar. Wegen der Geschlechtsspezifität des übermäßigen Schnabelwachstums bei älteren Wellensittichhähnen ist auch an hormonale Ursachen zu denken.
Eine Ursache für die Veränderung des Schnabels kann ein früherer Befall mit Räudemilben sein. Durch Anomalien beider oder nur eines Schnabelteiles kann es zur Bildung von Kreuzschnabelformen oder zum Nicht-Zueinanderpassen der Schnabelanteile kommen. Bei letzterem Zustand tritt durch das Fehlen des „Abschleifens" ein enormes Schnabelwachstum auf. Das erschwert eine normale Nahrungsaufnahme oder macht sie unmöglich. Deshalb muss der Schnabel in regelmäßigen Abständen beschnitten werden.
Beim Schnabelkürzen muss eine annähernd normale Form und Größe des Schnabels wiederhergestellt werden.                                                                                                                                                                                                                                               Erschwert wird diese Maßnahme , weil sich die Blutversorgung entsprechend dem zunehmenden Längenwachstum ständig weiter in Richtung Schnabelspitze vorschiebt. Verletzungen des Kapillarnetzes haben schwer zu stillende Blutungen zur Folge. Da die Schnabelspitze bei Papageienvögeln mit einer großen Anzahl von Tastkörperchen besetzt ist, muss davon ausgegangen werden, dass die Schnabelspitze ziemlich schmerzempfindlich ist. Aus diesem Grund sollte die Korrektur  nur von Fachleuten ausgeführt werden.
Das Auftreten borkiger, zerklüfteter Hornstruktur mit haarfeinen Löchern spricht für Befall mit Räudemilben. Im Bereich der Wachshaut können bei älteren, vor allem weiblichen Wellensittichen übermäßige Hornhautzubildungen auftreten. Das Allgemeinbefinden ist dabei selten gestört. Die Vögel werden wegen des entstellenden Aussehens dem Tierarzt vorgestellt.
Verletzungen des Schnabels erfolgen durch Einklemmen, Gegenfliegen, durch Volieren- oder Käfiggefährten… Längsfrakturen des Ober- und Unterschnabels können mit Hilfe von Drahtligaturen durch den Schnabel fixiert werden. Ein schnellhärtenden Kleber  kann unterstützend wirken. Reißt der Schnabel bis in die Lederhaut oder ist diese von vornherein so zerstört, dass kein geschlossenes Horn gebildet wird, ist eine Ausheilung kaum möglich. Bei kleineren Längsspalten kann man durch Ausschneiden oder Feilen ein Weiterreißen verhindern. Querfrakturen sind je nach Länge des verbleibenden Schnabelstumpfes prognostisch vorsichtig zu beurteilen. Der Vogel mit verkürztem Oberschnabel ist oft nicht in der Lage, das Futter zu entspelzen. Daher muss versucht werden, durch Verfütterung von geschälter, gequollener Hirse oder eingeweichtem Biskuit eine Nahrungsaufnahme zu gewährleisten.