19. November 2017

TIERE

KOLUMNE von Dr. Peter Kollmann

Trommelsucht bei Hauskaninchen


Dr. Peter Kollmann, Gaspoltshofen, www.tierarzt-kollmann.at, Tel. 07735/6943

Achtung: Die Trommelsucht, auch Tympanie oder Blähsucht genannt, ist eine der häufigsten Todesursachen bei Hauskaninchen, vor allem von Jungtieren und säugenden Häsinnen. Die Ursache sind leicht gärfähige, weiche und saftige  kohlenhydratreiche Futtermittel, die von den Tieren gern und teilweise im Übermaß aufgenommen werden. Als schädigende oder begünstigende Futtermittel gelten vor allem junges, feines Gras, junger Klee, selbsterhitztes Grünfutter, gefrorenes Futter, zu reichlich gefütterter Kohl, Rüben, Bohnen, Mais und Brot. Die Tiere fressen davon auf einmal meist zu viel, so dass der relativ kleine und empfindliche Magen maximal gefüllt und überdehnt wird. Die Aufnahme verdorbener Futterstoffe ist ein weiterer Aspekt. Besonders große Bedeutung hat stickiges, gärendes Grünfutter, wie es sich im Sommer bei zu dick gelagertem Futter schnell entwickelt. Weiter führt die Aufnahme angefrorenen Futters (Rüben, Karotten, Kohl, bereiftes Grünfutter), von angefaulten Futtermitteln (Obstrückstände, Fallobst) und von verschimmeltem Futter zu Verdauungsstörungen, die häufig zum Tode führen. Einen schädlichen Einfluss hat auch verschmutztes und mit Erde behaftetes Futter.
Die  Folge: Innerhalb kurzer Zeit kommt es zu starken Gärungsvorgängen und damit zur Aufblähung, wobei die Bauchdecken stark gespannt sind. Die Nahrungsaufnahme wird völlig eingestellt. Die Tiere leiden unter Atemnot, und es tritt Kreislaufschwäche hinzu, die bei hellhäutigen Kaninchen an der Blaufärbung der Ohren und Lippen erkennbar ist. Infolge der kolikartigen Schmerzen knirschen die Tiere mit den Zähnen. Meist kommt jede Behandlung zu spät, der Tod tritt unter den Erscheinungen des Kreislaufversagens oder seltener unter dem Bild einer Magenruptur ein.
Meist kommt jegliche Behandlung zu spät! Unter Tympanieverdacht erkrankten Tieren ist sofort das Futter einschließlich der Einstreu zu entziehen. Es kann versucht werden, den kolikartigen Zustand durch Applikation krampflösender Mittel zu beeinflussen. Zur Unterstützung des Kreislaufes kann den Tieren ein Teelöffel starker Bohnenkaffee eingegeben oder ein Kreislaufmittel injiziert werden. Bei maximaler Aufblähung ist die Trokarierung zu versuchen. Weiter wird eine vorsichtige Massage des Hinterleibs durchgeführt, um die Darmtätigkeit anzuregen. Den Tieren wird auch medizinische Kohle eingegeben. Außerdem haben sich leichte Abführmittel als günstig erwiesen. Gelingt es durch diese Maßnahmen, die akute Blähung zu beseitigen, so soll langsam mit der Fütterung geringer Mengen von gutem Heu begonnen werden, um allmählich zu einer normalen Fütterung ohne stark gärfähige Anteile überzugehen.
Bei allen unter dem Bild einer Tympanie verendeten Kaninchen ist der Enddarminhalt auf Kokzidien zu untersuchen. Bei Kokzidiennachweis sind den übrigen Tieren des Bestandes Kokzidiostatika zu verabreichen. Prophylaktisch kann in gefährdeten Zeiten den Kaninchen ein darmdesinfizierendes Mittel oder leicht spasmolytisch wirkendes Präparat und auch ein Kokzidiostatikum gegeben werden.