21. September 2017

SPORT

Samareiner Radstar schrieb Geschichte

„Dieser Rekord bleibt mir ewig!“

Dieser Rekord hält ewig! Walter Pöll aus St. Marienkirchen/Polsenz ist als erster Mensch über 50 Jahre mit dem Rennrad 24 Stunden lang ein Durchschnittstempo von mehr als 30 Stundenkilometer gefahren. „Ich habe einen traumhaften Tag erwischt,“ so der Weltrekordler.


GESCHAFFT! Walter Pöll fährt nach 24 Stunden als Weltrekordler durchs Ziel.

Walter Pölls Leistung ist so unglaublich, wie sie sich liest: Der 51-jährige Familienvater legte in 24 Stunden 738,8 km (1.032 Runden à 715,35 m) mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30,78 km/h zurück. „Ich war absolut am Limit, doch ich habe einen traumhaften Tag erwischt und war im Kopf extrem stark,“ freut sich der sympathische Samareiner.
 Acht Monate lang hat sich der frühere Masseur und jetzige Mitarbeiter der OÖ-Gebietskrankenkasse auf den Weltrekordversuch vorbereitet. Seit April standen mehrmals pro Woche bis zu sieben Stunden lange Ausfahrten am Trainingsplan. Parallel dazu studierte Pöll penibel das 41-seitige Regelwerk des Ultramarathon-Radsportweltverbandes für den 24-Stunden-Weltrekord.
Am 30. Juni stieg Pöll um 16 Uhr am Firmengelände der ETA in Hofkirchen/Trattnach auf ein 12.000.- Euro teures Trek-Spezialzeitfahrrad, das ihm Werner Samhaber von „Sportradl“-Peuerbach zur Verfügung gestellt hatte.  24 Stunden später feierten 150 Zuschauer frenetisch den neuen Weltrekordler.
In der Zwischenzeit hatte Pöll zeitweise die Hölle  durchlebt. „Zwei Regenphasen und Wind haben mich eingebremst. Außerdem hatte ich eine Stunde lang extreme Nackenschmerzen,“ erzählt der Vater dreier Töchter, die wie Gattin Jutta zum hervorragenden Betreuungsteam rund um Andreas Kornfelder zählten.
Eine Zeit lang kämpfte der Ausdauerathlet vom RC Grieskirchen mit Sodbrennen. Doch da wusste Tochter Andrea, eine anghende Köchin, Rat. Sie reichte ihrem Papa eine Senf-Semmel – und weg war das Problem. Ansonsten aß Pöll vorwiegend Äpfel und Marmeladesemmeln. Dazu trank er 17 Dreiviertelliterflaschen Maltodextrin, ein wasserlösliches Kohlenhydratgemisch.
Da die kühlen Temperaturen weniger Schweiß forderten als erwartet, musste Walter zwölf Mal zum Pinkeln vom Rad. „Das hat mich 22 Minuten gekostet. Ohne diese Stehzeit wäre ich auf über 750 km und mehr als 31 km/h Durchschnitt gekommen,“ rechnet der ehemalige Regionalliga-Tennisspieler und Marathonläufer ohne Wehmut vor. „Ich bin überglücklich. Diesen Rekord kann mir niemand mehr nehmen,“ freut sich Pöll.
Nach seinem Triumph trank Walter ein Seiterl Bier und schlief dann 16 Stunden wie ein Murmeltier …